Am Fuße des Stollbergs, der mit knapp 44m wohl größten Erhebung in Nordfriesland, entspringt auf der „Brunnenkoppel“ der Bordelumer Kirchengemeinde die sogenannte heilige Quelle.

Die Gegend um den Stollberg ist seit der mittleren Steinzeit besiedelt, weitere Siedlungsreste und Funde stammen aus der Jungsteinzeit und aus der Eisenzeit. Und bereits die alten Friesen sahen in der eisenhaltigen Quelle eine Kultstätte.
Um das Jahr 1200 wurde die erste spätromanische Backsteinkirche errichtet, der weitere Kirchenbauten folgten.

Aber erst einige hundert Jahre später erinnerte man sich an die angebliche Wunderkraft des Quellwassers. Um 1770 würden die ersten Gerüchte um Heilungen laut, aber erst zwischen 1808 und 1810 erlebte die Quelle einen Ansturm von Gläubigen, die kamen, um geheilt zu werden. Bordelum wurde zu einem kleinen „Lourdes des Nordens“. Sogar bis nach Altona wurde das wundertätige Wasser verkauft. Heilerfolge durch Trinken oder durch äußerliche Anwendungen blieben aber unbewiesen und sind allenfalls auf Placeboeffekte zurückzuführen. Und so hielt der Boom nicht lange an: bereits 1811 wurden die Besucher immer weniger und blieben schließlich ganz aus.
Die Anziehungskraft dieses Ortes aber bleibt, das mag an seiner Geschichte liegen, vielleicht auch an der ungewöhnlichen Wasserfärbung. Die Farbe des Quellwassers nämlich, die ins Ocker bis Rostrot spielt, rührt von den Eisenerzen her, die im gesamten Gebiet als sog. Raseneisenerz vorkommen.

Mit seiner fast ganzjährig konstanten Temperatur erscheint das Quellwasser zudem erstaunlicherweise im Winter warm und im Sommer erfrischend kühl, ein schlichter geologischer Effekt, der aber in grauen Vorzeiten sicherlich mystisch anmutete.
Die Quelle ist heute ein archäologisches Denkmal; das Wasser sollte man zwar nicht mehr trinken, da es laut Analysen zu hohe Ammonium- und Nitratwerte aufweist, aber dennoch hat dieser Ort inmitten des Naturerlebnisraumes Stollberg nichts von seiner beinahe mystischen Atmosphäre verloren.

Der idyllische Platz strahlt Ruhe und Besinnlichkeit aus und ein Besinnungsweg mit biblischen Zitaten, der rund um die Brunnenkoppel führt, lädt zum Innehalten und Nachdenken ein.

Anfahrt:
B5 Richtung Niebüll; nach Bredstedt die nächste Abfahrt links Richtung Dagebüll/Schlüttsiel/Bordelum; in Ost-Bordelum dem Hinweisschild „Kirche“ (rechts) folgen. Vor der Kirche lädt ein großer Platz zum Parken ein. Dem Weg nach links in Richtung West-Bordelum folgen, dann stößt man auf die Quelle.